Ausblick /3 Tischlernachwuchs zwischen Tradition und neuer Lebens- welt. Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderun- gen für das Handwerk. Bundesweit fehlen rund 250.000 Fachkräfte, während die Zahl der Auszubildenden zuletzt leicht zurückgegan- gen ist. Gleichzeitig hat sich die Lebenswelt junger Menschen verän- dert. Erwartungen an Kommunikation, Arbeitsklima und Feedback unterscheiden sich häufig von denen früherer Generationen. Das führt im Betriebsalltag gelegentlich zu Reibungen. Die junge Gene- ration tickt nicht besser oder schlechter als frühere Generationen, aber manchmal anders. Wo früher der Eintrag ins Berichtsheft dis- kutiert wurde, geht es heute um WLAN, Work-Life-Balance und die richtige Emoji-Auswahl. Dabei zeigt der aktuelle DGB-Ausbildungsreport, dass die dua- le Ausbildung weiterhin attraktiv ist: Mehr als 70 Prozent der Aus- zubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Gefragt sind Wertschätzung, gute Betreuung und Entwicklungsmöglichkeiten. Erfreulich ist zudem, dass sich immer mehr junge Frauen für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden und damit neue Perspekti- ven in die Betriebe bringen. Während Künstliche Intelligenz viele Büro- und Wissensberufe verändert, bleiben Kreativität, handwerkliches Geschick und die Fä- higkeit, individuelle Lösungen zu entwickeln, gefragt. Bis heute hat jedenfalls noch keine KI ein Sideboard gebaut, das passgenau in die Dachschräge eines Kunden passt. Und auch beim Einbau vor Ort hilft kein Chatbot, wenn die Wand plötzlich schiefer ist als der Plan. Wer nur auf Fachkräftemangel und demografischen Wandel blickt, übersieht das große Potenzial unseres Nachwuchses. Genau das machen Berufswettbewerbe sichtbar. Bei „Die Gute Form“ zeigen junge Tischlerinnen und Tischler jedes Jahr eindrucksvoll, mit wie viel Kreativität, Können und Leidenschaft sie ihren Beruf ausüben. d r o N r e l h c s i T : o t o F Während Künstliche Intelligenz viele Büro- und Wissensberufe verändert, bleiben Kreativität, handwerkliches Geschick und die Fähigkeit, individuelle Lösungen zu entwickeln, gefragt. Matthias Wächter Hauptgeschäftsführer Die ausgezeichneten Gesellenstücke sind nicht nur Belege hand- werklicher Qualität, sondern auch starke Zeichen für die Zukunft unseres Gewerks. Von den Deutschen Meisterschaften über die WorldSkills 2026 in Shanghai bis zu den EuroSkills 2027 in Düsseldorf reichen die Möglichkeiten für die Besten unseres Berufsstandes. Wettbewerbe schaffen Vorbilder, stärken das Ansehen der beruflichen Bildung und zeigen, welche Chancen im Handwerk liegen. Die besten Antworten auf Fachkräftemangel, Betriebsnachfolgen und Wandel sind junge Menschen, die ihr Können, ihre Kreativität und ihre Zukunft im Tischlerhandwerk sehen. Herzlichst, Ihr Matthias Wächter